Du wirst in einer Gosse landen!

Shownotes

Mit vier begann sie Ballett zu tanzen und mit acht Jahren stand sie zum ersten Mal auf der Bühne des schweizer Theaters St. Gallen. Es folgten Stationen in Wien, unter anderem eine Musical Ausbildung, die sie für ein Engagement am Burgtheater frühzeitig beendete. Entscheidend war für sie nie der sichere Weg, sondern der richtige im Moment und Neues war dabei immer willkommen.

„Ich habe nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen, aber ich habe aus jeder gelernt“, sagt sie heute. Diese Haltung prägt ihr Tun.

Mit **über 30 Jahren Bühnenerfahrung **und mittlerweile fast einem Jahrzehnt als Agenturinhaberin von RG Entertainment gehört Rozalija Gregurek zu den gefragten Persönlichkeiten im deutschsprachigen Eventbusiness. Ihre Geschichte ist kein klassischer Karriereweg, sondern ein Beispiel, für Mut, eigene Regeln zu schreiben.

Transkript anzeigen

00:00:00: der andere Teil hat gesagt, ich werde in einer Gosse landen, ich werde Alkoholikerin, weil ich habe mir dieses Business ausgesucht.

00:00:06: Jetzt im Nachhinein gesehen, kann ich das sagen, war das der größte Schwachsinn, den Sie machen konnten.

00:00:11: Es gibt nämlich nichts Schlimmeres, nicht das zu tun, was euch erfüllt.

00:00:26: Eine weitere Folge, dreizehn Minuten, kein Filter, kein Bullshit.

00:00:31: Und ich freue mich, dass es mal endlich eine lockerere Folge wird nach den Depressionen und der weiteren Folge, die wirklich diepe waren, zu denen ich auch zahlreiche Kommentare bekommen habe.

00:00:47: Danke für all diese.

00:00:50: Wird es jetzt etwas flockiger?

00:00:52: Und zwar geht es um das Thema Versager.

00:00:56: Wir alle kennen sich ja so Menschen um uns herum, die sagen, du bist ein Versager, du kannst nichts.

00:01:02: Und um uns herum bedeutet manchmal auch in der Familie.

00:01:07: meiner Meinung nach ein Bereich, der in Safe Space sein sollte und gerade da sollte, sollte man sich gegenseitig unterstützen, aber ja, kommt nicht allzu selten vor, dass es innerhalb der Familie nicht so ist.

00:01:23: Und ja, dieses Thema Versager würde ich gerne... anhand meiner Geschichte erzählen.

00:01:30: Ich habe in der allerersten Folge erzählt, dass ich in der Schweiz geboren wurde und dass ich mit vier angefangen habe, Ballett zu tanzen, so heißt das.

00:01:40: Und ja, genau da möchte ich auch in dieser Folge ansetzen, denn dieses ganze künstlerische Thema mit Ballett und Gesang und so weiter war sehr wichtig für meine Entwicklung.

00:01:54: Warum das erzähle ich euch jetzt?

00:01:57: Das Schulsystem in der Schweiz ist so, dass man erste bis dritte Klasse geht, dann vierte bis sechste.

00:02:04: Und der Notendurchschnitt von vierter bis sechster Klasse entscheidet dann den weiteren Weg.

00:02:09: Da gibt es dann zwei Wege.

00:02:12: Schlechterer Notendurchschnitt, Realschule, besserer Durchschnitt, Sekundarschule.

00:02:18: Und der einzige Unterschied ist, mit Sekundarschule kann man jeden Beruf erlernen und mit Realschule nicht.

00:02:25: Also nicht sofort, wahrscheinlich auf Umwegen, aber nicht sofort.

00:02:29: Ja, bei mir war es so, ich bin dann mit zwölf in die Sekundarschule gekommen und wusste überhaupt nicht, was ich beruflich machen möchte.

00:02:37: Ah ja, das ist auch noch wichtig zu erwähnen.

00:02:39: Ich habe mit vier angefangen, Ballett zu machen.

00:02:41: Das heißt, das war mein Ventil.

00:02:43: Dort konnte ich meine Energie freilassen, dort konnte ich einfach eskalieren, nennen wir es mal so.

00:02:50: Und wie ich dann in die Sekundarschule gekommen bin, habe ich meine Eltern dann aus dem Ballett rausgenommen, damit ich mich komplett auf die Schule konzentrieren kann.

00:03:00: Jetzt im Nachhinein gesehen kann ich das sagen, war das der größte Schwachsinn, den sie machen konnten.

00:03:06: Denn dieses Energieabbauen habe ich einfach kompensiert, indem ich dann in den Musikraum gegangen bin und Hardcore aufs Schlagzeug drauf gehauen habe.

00:03:18: Und das müsst ihr euch so vorstellen.

00:03:20: Die Schule, in der ich war, und da rede ich gerade von der Gerberischschule in Heiden.

00:03:24: Schöne Grüße in die Schweiz, falls jemand von dort zuhört.

00:03:28: Da gab es unterirdisch den Luftschutzkeller, in dem der Musikraum war, eben auch das Schlagzeug.

00:03:36: Ebenerdig waren dann die Klassen eins bis drei und vier bis sechs.

00:03:40: Erster Stock war Reallschule und zweiter Stock war Sekundarschule.

00:03:46: So, und der Lehrer, meinen Klassenvorstand, hat dann vom zweiten Stock hören mich unten, also andersherum, er hat mich im zweiten Stock gehört, wie ich, im Luftschutzkeller unten praktisch das Schlagzeug zertroschen habe und hat meine Eltern angerufen und hat ihnen gesagt oder sie gefragt, ob ich nicht ein Hobby habe.

00:04:08: Und das war dann wiederum der Zeitpunkt, wo ich meine Eltern wieder ins Ballett gegeben haben.

00:04:13: Weiße Entscheidung.

00:04:15: So.

00:04:16: Dann ging es so weiter, dass ich drei Jahre Sekundarschule gemacht habe und nicht wusste, was ich eigentlich beruflich machen möchte.

00:04:25: Und in der Schweiz gibt es die Möglichkeit oder gab es damals, ich weiß gar nicht, ob das heute noch so ist, das sogenannte zehnte Schuljahr zu machen.

00:04:31: Das ist für die Personen, die noch nicht wissen, was sie beruflich machen wollen, dass sie sich da in diesem einen Jahr, im zehnten Schuljahr, einfach mal ausprobieren können.

00:04:41: Das wurde mir leider nicht erlaubt.

00:04:43: Und weil ich eine super tolle Lehrerin hatte in der vierten bis sechsten Klasse, Alexa Schiers, die war wirklich toll und da hat ein Teil meiner Familie geglaubt, ich könnte doch einfach Lehrerin werden, wenn ich diese Lehrerin doch so toll gefunden habe.

00:05:02: Und ich soll doch ans Lehrerseminar gehen.

00:05:04: Das heißt jetzt schon irgendwie anders.

00:05:06: Ich war nämlich letztes Jahr auf meinen Spuren in der Schweiz und habe das damalige Lehrerseminar, das heißt jetzt pädagogische irgendwas, besucht und das ist in Rorschach.

00:05:17: Und dort ist es so, dass man sechs Jahre hingeht.

00:05:21: Und wenn man das alles erfolgreich abgeschlossen hat, dann darf man erste bis dritte Klasse unterrichten.

00:05:26: Wenn du vierte bis sechste unterrichten möchtest, musst du noch weitere Ausbildungen machen usw.

00:05:31: Und ich habe dann dort die Aufnahmeprüfung gemacht, Kurzfassung, ich habe es geschafft und ich bin dann ins Lehrer-Seminar gekommen.

00:05:37: Es war jetzt nur so, es hat Spaß gemacht.

00:05:40: Ich liebe es zu unterrichten, ich liebe es, den Erfolg zu sehen von denen, die etwas von mir gelernt haben.

00:05:47: Das ist nach wie vor so, aber ich habe mich einfach nicht darin gesehen, jedes vierte Jahr wieder das Gleiche zu machen.

00:05:55: Das bin ich nicht, das war ich nicht und habe dann nach anderthalb Jahren gesagt, Ich höre damit auf.

00:06:02: Beziehungsweise habe ich meinen Eltern gesagt, ich möchte Musical machen.

00:06:07: Ja, es kam so fifty-fifty an.

00:06:11: Bei der einen Hälfte besser, bei der anderen schlechter.

00:06:14: Und um auch das kurz zu fassen oder kürzer zu fassen, ich habe dann die Schule verlassen nach anderthalb Jahren und habe dann in der Ballettschule in einem Ballettmagazin geblättert.

00:06:28: wo hinten Schulen drin waren, also Tanzschulen, Musicalschulen, Schauspielschulen, das war alles da hinten drin mit Adressen.

00:06:34: Und ich habe da einfach durchgeblättert und den Finger drauf gehalten und der Finger ist dann bei Wien gelandet.

00:06:40: Und damals, die gibt es nicht mehr, gab es die Vienna Musicalsco.

00:06:44: Und dort habe ich mich dann beworben und wurde dann zum Vorsprechen, Vorsingen, also praktisch zum Casting eingeladen.

00:06:51: Habe ich dann auch gemacht und ich habe die erste Prüfung nicht bestanden.

00:06:56: Jetzt war ich ja nicht mehr im Lehrerseminar, ich hatte auch diese Schule nicht, ich hatte also ein Hauch von gar nichts.

00:07:01: Und manchmal ist es halt so, dass wenn man sich Ziele setzt, man sich überlegen muss, was brauche ich oder was muss ich tun, damit ich dieses Ziel erreiche.

00:07:13: Und in meinem Fall war das Ziel, bei dieser Schule aufgenommen zu werden und habe dann ein halbes Jahr lang Schauspielunterricht genommen, Gesangunterricht, Gesangsunterricht genommen und fünfmal die Woche Ballett trainiert und andere Tanzziele auch und habe dann einfach ein halbes Jahr später die Aufnahmeprüfung.

00:07:33: nochmal gemacht.

00:07:34: Und ja, logisch, ich lebe zurzeit in Wien oder seid daher.

00:07:39: Ja, ich habe die Prüfung geschafft und bin dann in der Schweiz aus der Schweiz nach Wien gezogen.

00:07:46: Und das müsst ihr euch so vorstellen, dass ich aus einem kleinen Kurort in der Schweiz, ich habe extra nachgeguggelt, damals waren es viertausendsechzig Bewohner in diesem Kurort, in die Weltkultur Hauptstadt.

00:08:00: Gezogen, wo damals, auch das habe ich noch ergoogelt, ... ... sind.

00:08:07: Also ja, Heidi in der Großstadt, kann man fast sagen.

00:08:13: Und ja, da liegt es natürlich nicht fern, dass ich mich da dann zuerst mal ausgelebt habe.

00:08:19: Also ich habe natürlich mit der Musikgeschule angefangen.

00:08:22: Aber ich bin auch auf Partys gegangen, was ich dort im Courort nie gemacht habe.

00:08:27: Ich war viel unterwegs.

00:08:28: Ich habe Alkohol ausprobiert.

00:08:30: Das kannte ich ja auch noch nicht.

00:08:33: Alles Mögliche, was man halt in der Jugend macht, nur ich war über tausend Kilometer von meiner Familie entfernt und habe mich einfach mal ausgetobt.

00:08:40: Und dann gab es diesen einen Zeitpunkt, wo wir mit der Musikgeschule, wir hatten jährlich so Aufführungen, wo wir präsentiert haben, was wir über das Jahr gemacht haben, gelernt haben und so weiter.

00:08:53: Und da gab es halt auch so eine Aufführung.

00:08:56: Nur in dem Jahr ist mir halt auch mein erster Freund in Österreich passiert.

00:09:02: Und naja, wie soll ich sagen?

00:09:04: Ich habe lieber mit ihm Zeit verbracht, als bei den Proben zu sein für diese Aufführung und dementsprechend, also ich habe die Shows gespielt.

00:09:14: Es hat alles geklappt, aber ich war halt eher, also ich glänzte hauptsächlich durch Abwesenheit.

00:09:19: Und da haben sie mich dann bei der letzten Show oder nach der letzten Show gebeten, die Lehrer, dass ich doch mal bitte vorbeikommen.

00:09:27: Und die haben mir dann gesagt, sie bitten mich die Schule zu verlassen.

00:09:30: Das war eine private Schule.

00:09:31: Das heißt, meine Eltern haben monatlich einen Betrag gezahlt.

00:09:35: Und ja, ich wurde aus der Schule geschmissen.

00:09:38: Das musste ich meinen Eltern natürlich auch verklickern.

00:09:42: Auch da wieder, der eine Teil hat gut reagiert, der andere Teil hat gesagt, ich werde in einer Gosse landen, ich werde Alkoholikerin, weil ich habe mir dieses Business ausgesucht.

00:09:52: Und was soll ich sagen?

00:09:53: Es war das Beste, was mir passieren konnte, dass ich aus dieser Schule geschmissen wurde.

00:09:57: Denn ich habe danach Castings gemacht, ich habe Nebenjobs gemacht, ich habe in Internetcafés gejobbt, ich habe gekellnert, um das Ganze selber zu finanzieren, weil ich habe da dann auch meinem Vater gesagt, ich möchte nicht, dass er weiter zahlt, weil ich habe das verbockt.

00:10:11: eher nicht auszulöffeln.

00:10:13: Und ja, ich bin dann tatsächlich durch ein Casting ans Burgtheater gekommen.

00:10:20: Und dann hat das Ganze seinen Lauf genommen.

00:10:22: Ich bin ans Burgtheater gekommen.

00:10:23: Ich habe am Akademietheater gespielt.

00:10:25: Ich habe Christine Kaufmann kennengelernt am Burgtheater, mit der ich dann in Deutschland und der Schweiz eine Schauspieltour gespielt habe.

00:10:32: Ich habe dann meine eigene CD aufgenommen.

00:10:36: achtmal am Donauinselfest bin ich aufgetreten, meistens mit ca.

00:10:40: zehn Tänzer und Tänzerinnen.

00:10:42: Ich habe dann, ja eben, Jollybox TV kam dann auch Casting für Moderation gemacht.

00:10:43: und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und und geflogen wäre.

00:11:01: Wenn ich die ganzen vier Jahre gemacht hätte und auch die sogenannte paritätische Prüfung am Ende positiv bestanden hätte, wo wäre ich dann jetzt?

00:11:14: Auf der einen Seite interessiert es mich wirklich und auf der anderen Seite denke ich mir, dieser Weg war nicht für mich bestimmt und deswegen bin ich ihn auch nicht gegangen.

00:11:25: und ich liebe den Weg, den ich dann eingeschlagen habe, mich haben... Einige Leute schon gefragt, da ich ja jetzt eben seit neunundneinzig in Wien bin, also einige Jahre, siebenundzwanzig Jahre.

00:11:38: Eigentlich fünfundzwanzig Jahre, weil zwei Jahre war ich ja in Köln von zwei tausend acht bis zwei tausendzehn.

00:11:44: Und ich werde in Österreich immer wieder gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, wieder in der Schweiz zu leben beziehungsweise zurückzuziehen.

00:11:50: Und ich kann diese Frage nicht beantworten, weil ich habe nie so in der Schweiz als Erwachsene gelebt, dass ich wüsste, wie dort das Steuersystem ist, wie Selbstständigkeit dort ist und so weiter und so fort.

00:12:04: Ich bin mit achtzehn weggezogen.

00:12:06: Mein Leben ist in Wien und ich sehe mich auch in Wien.

00:12:10: Ich bin mir sicher, dass das eine große Entwicklung für mich war, von diesem viertausendsechzig Personen-Kurort nach Wien zu ziehen.

00:12:21: Und deswegen brauche ich auch gar nicht darüber nachzudenken, was wäre gewesen, wenn, sondern was mache ich jetzt daraus?

00:12:28: Ich bin für jeden Moment, für jeden Schicksalsschlag, für alles positive, für alles negative, für alle Achterbahnen, die ich in meinem Leben bis jetzt durchfahren habe.

00:12:38: Dankbar, weil sie mich einfach zu dem gemacht haben, was und wer ich jetzt bin.

00:12:44: Ich höre nicht auf zu lernen, ich höre nicht auf mich zu entwickeln und ich höre auch nicht auf meiner inneren Stimme zu folgen.

00:12:53: Und das würde ich euch bitten oder mir auch für euch wünschen, folgt eurem Herzen.

00:13:00: Es gibt nämlich nichts Schlimmeres, nicht das zu tun, was euch erfüllt.

00:13:06: Egal werf zu.

00:13:07: euch sagt ihr seid Versager, ihr seid es nicht, sondern ihr geht euren Weg und das ist gut so.

00:13:13: Und zwar jeder von uns individuell und das ist super wichtig.

00:13:17: Und das war mein Wort zu diesem Podcast, denn jetzt sind diese dreizehn Minuten schon wieder um.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.